Orchha, Zentralindien (Madhya Pradesh)

  • Eine Stadt wie aus der mittelalterlichen indischen Zeit.
  • Wie eine Insel und klein, aber fein.
  • Konnte bald in die UNESCO-Liste kommen.

Die bezaubernde Stadt Orchha, die früher als Osseen bekannt war, befindet sich im Zentrum des indischen Bundesstaates Madhya Pradesh, ungefähr 16 km von Jhansi in Uttar Pradesh entfernt.
Den Einheimischen zufolge existiert eine faszinierende Legende über die Entstehung des Namens Jhansi: Ein König von Orchha soll die Stadt als „Jhansi“ oder „schattenhaft“ bezeichnet haben, was dann ihren Namen bestimmte.

Ein verborgenes Juwel, dessen Name oft als „versteckt“ interpretiert wird, ist Gegenstand einer Legende. Ein Rajput-Häuptling rief bei Anblick des Landes „Ondche“ aus, was „tief gelegen“ oder „abgelegen“ bedeutet.
Er war beeindruckt von seiner natürlichen Schönheit. Orchha galt einst als uneinnehmbar aufgrund seiner Mauern aus zerklüfteten Bergen, dichten Wäldern und dem Fluss Betwa, selbst für die mächtigen Mogul-Armeen.

Sehenswürdigkeiten in Orchha

Der imposante Orchha Fort-Komplex befindet sich auf einer Insel, die durch die Vereinigung der Flüsse Betwa und Jamni entstanden ist. Er liegt am Ostmarkt der Stadt und ist über eine malerische, mehrbogige Granitbrücke mit 14 Bögen entfernt. Zu den Höhepunkten zählen der Jehangir Mahal, der Raj Mahal, der Sheesh Mahal und der Rai Praveen Mahal.

Jehangir Mahal: Ein prächtiger Palast mit 236 Zimmern, von denen 136 unterirdisch sind, befindet sich um einen großzügigen Innenhof.
Die Bauweise besticht durch ungleichmäßig ansteigende oder abfallende Ebenen, massive Eckbastionen und ein beeindruckendes Holztor, das dem Palast ein kämpferisches Flair verleiht – stabil, konsistent und praktisch uneinnehmbar.

Der Raja Mahal, Mahal, befindet sich direkt daneben und sein Eingang ist nach Osten ausgerichtet. Möglicherweise wurde er von Raja Madhukar Shah (1554–1592) errichtet, obwohl einige Historiker den Beginn des Baus Raja Rudra Pratap Singh (1501–1530) zuschreiben, der dann von seinem Nachfolger Raja Bharti Chand (1531–1554) fertiggestellt wurde.
Die Überreste von fein gearbeiteten Spiegeln, die bei Sonneneinstrahlung einen strahlenden Lichteffekt erzeugen, beeindrucken im Königspalast durch ihre Kunstfertigkeit.
Es zeigt Elemente der Rajput- und Mogul-Architektur und enthält zwei beeindruckende Audienzsäle, nämlich Darbar e Khas und Darbar e Aam, die mit aufwendigen Stein-Jali-Verzierungen versehen sind.

Orchha, ZentralindiaDas Rai Praveen Mahal wurde zu Ehren von Rai Praveen, der schönen Geliebten von Raja Indrajit, errichtet. Indrajit ließ es bauen. Der Ruhm ihrer Schönheit und ihres Talents war bis zum Mogulhof vorgedrungen und Kaiser Akbar war informiert.

Da Raja Indrajit nicht nachgab, drohte ihm Akbar mit einer Geldstrafe in Höhe von einer Million Rupien. Daraufhin beauftragte er den Schriftsteller und Poeten Keshav Das, Rai Praveen zum Mogulhof in Agra zu bringen.


Der Ram-Raja-Tempel sieht ganz anders aus als ein typischer Hindutempel. Früher war es der Palast von Rani Ganeshkumari, der Frau von Raja Madhukar Shah. Man nannte es Rani Mahal. Der Chaturbhuj-Tempel zählt zu den schönsten Gebäuden in Orchha.

Der Chaturbhuj-Tempel steht südlich des Ram-Raja-Tempels. Er sollte einst die Statue von Ram aufbewahren. Seine enorme Größe prägt die Stadt Orchha. Seine hohen Shikharas ragen scheinbar bis in den Himmel.
Um den Tempel zu erreichen, erklimmt man eine Reihe von Stufen auf einer 4,5 Meter hohen Plattform.

Der Laxminarayan-Tempel
wurde zuerst von Bir Singh Deo gebaut. Später, im Jahr 1793, ließ Raja Prithvi Singh den Tempel wiederherstellen.
Außerdem verbindet er Tempel- und Festungsstil. Das Gebäude besteht aus Kalkmörtel und Ziegeln. Auf dem Dach sitzen Kanonenscharten. Es ist unklar, ob diese Teile schon beim ersten Bau dabei waren.

Der formale Garten Phool Bagh
zeigt die hohen ästhetischen Fähigkeiten der Bundelas. Ein Palastpavillon mit acht Säulen bildet den Höhepunkt einer zentralen Brunnenanlage.
Unter der Erde lag ein kühler Sommersitz der Orchha-Könige in einem unterirdischen Bau. Außerdem verband ein cleveres Belüftungssystem den Palast mit Chandan Katora. Dort sickerte Wasser durch das Dach und ahmte so Regen nach.

Nördlich des Ram-Raja-Tempels
befindet sich der Palast von Diwan Hardaul, der mit seinen Kuppeln, filigranen Säulen und von Moos bewachsenen Türmen beeindruckt.
Die Wände seines Zimmers sind in einem ruhigen Gelb gestrichen. Vor dem Palast steht ein Steingefäß aus Stein. Laut einer lokalen Erzählung füllten Diener das Gefäß jeden Tag mit Chanderi- oder Sandelholzpaste.
Der Sunder Mahal, ein kleiner Palast, der mittlerweile beinahe eine Ruine darstellt, wird nach wie vor von Muslimen als Wallfahrtsort aufgesucht. Dhurjaban, der Sohn von Jhujhar, konvertierte zum Islam, nachdem er in Delhi eine muslimische Frau geheiratet hatte. Er verbrachte den letzten Abschnitt seines Lebens mit Gebet und Meditation und wurde als Heiliger verehrt.
Chhatris (Kenotaphe):
Die Chhattris sind die Grabmäler der Herrscher von Orchha aus dem Bundela-Clan. Insgesamt gibt es 14 Kenotaphe aus dem 16. bis 18. Jahrhundert.
Bis auf das Kenotaph von Bir Singh Deo haben alle die Form von Tempeln. Sie besitzen eine zentrale Kammer und vier weitere Kammern an den Ecken des Hofes.
Außerdem ähneln ihre Gipfel den Tempeln im Nagar-Stil. Dagegen ähneln die Chhatris von Bir Singh Deo eher einem Palast.